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1981 in Kelheim geboren. Während des Studiums der Neueren deutschen Literatur, Kommunikationswissenschaft und Europäischen Ethnologie in Augsburg und Lille wollte ich Journalismus in der Praxis und der...

PSA Peugeot Citroën: Zurück im Rennen und bald auf der Überholspur?


vendredi 24 juin 2016
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Vor zwei Jahren war der französische Autobauer am Boden, nach einer harten Sanierungskur durch den neuen PSA-Chef Carlos Tavares schreibt er wieder schwarze Zahlen. Ohne Opfer ging der Wiederaufbau nicht vonstatten - eine neue "Leistungskultur" hat Einzug gehalten.


© m-louis.®

Sein Auftreten wirkt bescheiden, sein Lächeln ist verbindlich. Und doch schreiben französische Medien von einem "Elektroschock-Tavares". Als der 57-jährige Manager Carlos Tavares im April 2014 die Führung von PSA Peugeot Citroën übernommen hatte, leitete er einen strikten Sparkurs ein. Frankreichs größter Autobauer stand vor der Pleite, musste Tausende Stellen abbauen, ein Werk schließen und war auf die Hilfe des französischen Staates und des chinesischen Dongfeng-Konzerns angewiesen. Den Niedergang des Traditionsunternehmens erlebte Frankreich, wo PSA mehr als 100000 Mitarbeiter beschäftigt, als nationales Drama. Er schien die Probleme der französischen Industrie zu versinnbildlichen, die um einen Weg aus der Krise ringt.
Dass es ihn noch gibt, bewies PSA auf spektakuläre Art und Weise: 2015 schrieb der Konzern erstmals seit fünf Jahren keine roten Zahlen mehr. Er ist wieder wettbewerbsfähig, zurück im Rennen: "Back in the Race", so nannte Tavares sein Sanierungsprogramm. Hatte der Konzern zwischen 2012 und 2014 Verluste von rund acht Milliarden Euro angehäuft, so gelang 2015 ein Nettogewinn von 1,2 Milliarden Euro. "Das Unvorstellbare ist eingetreten", lobte Finanzdirektor Jean-Baptiste de Chatillon. "Wir haben alle unsere Ziele erreicht oder sogar übertroffen."
Die operative Gewinnmarge, die den operativen Gewinn ins Verhältnis zum Umsatz setzt und damit Finanzierungs- und Steuereffekte nicht berücksichtigt, schoss auf 5 %; anvisiert waren nur 2 % bis 2018. Auch das Ziel, mit der Autosparte eine Rendite von mindestens 2 % zu machen, wurde zwei Jahre früher erreicht als geplant. Tavares sprach bei der Vorstellung der positiven Zahlen von einem "kollektiven Sieg". Als Anerkennung für ihre Leistung kündigte der Portugiese den Mitarbeitern eine Prämie von durchschnittlich 2000 Euro an.

Rationalisierung in allen Bereichen

Denn die rasante Aufholjagd forderte auch Opfer. "Die Angestellten haben diese guten Ergebnisse teuer bezahlt, mit hoher Produktivität und Flexibilität", gibt die Gewerkschafterin Christine Virassamy zu bedenken. Mehr als 11000 Arbeitsplätze fielen weg, die Rationalisierung traf alle Bereiche. Der kostspielige Konzernsitz in bester Pariser Lage wurde aufgegeben, die Teilnahme am 24-Stunden-Rennen von Le Mans beendet, Tavares kürzte Versorgungsansprüche von Topmanagern, auch seine eigenen. Er selbst erklärt, wenn PSA heute wieder "Herr über sein eigenes Schicksal sei", dann dank der Einführung einer "Leistungskultur": "Man muss sich Ziele stecken, die unerreichbar scheinen", erklärte der Hobby-Rennfahrer sein Erfolgsrezept.
Den Kurswechsel leitete dabei noch der vorherige PSA-Chef Philippe Varin ein, der die Schließung des Autowerks Aulnay-sous-Bois bei Paris beschloss. Der Staat gab der hauseigenen Bank PSA Finance Garantien in Höhe von sieben Milliarden Euro und stieg wie Dongfeng mit 800 Millionen Euro in den Konzern ein, um wie dieser 14,1 % des Kapitals zu halten - ebenso viel wie die Familie Peugeot selbst. Varins Nachfolger kam vom Konkurrenten Renault, wo Tavares 1981 seine Karriere begann und zuletzt Nummer zwei hinter Carlos Ghosn war. Er handelte neue Sozialverträge mit den Gewerkschaften aus: Im Gegenzug zum Einfrieren der Gehälter und zu flexiblen Arbeitszeitregelungen verpflichtete sich PSA, keine weiteren Standorte in Frankreich zu schließen. Die französische Produktion stieg 2015 um 2,5 % auf fast eine Million Fahrzeuge.
Galten bis dahin die starke Abhängigkeit vom südeuropäischen Markt und der Schwerpunkt auf Mittelklasse- und Kleinwagen, die eine geringere Gewinnmarge erlauben als Premiumfahrzeuge, als Hauptschwächen von PSA, so steuerte Tavares um. Die Produktpalette sank von 46 Modellen in 2014 auf nur noch 26. Der neue Schwerpunkt liegt auf teureren Fahrzeugen: So machte PSA im ersten Halbjahr 2015 mit weniger verkauften Autos mehr Umsatz.

Anstieg der Gewinnschwelle

Außerdem soll die Produktion verschiedener Modelle auf nur noch zwei gemeinsamen technischen Plattformen die Effizienz verbessern. Im Schnitt sanken die Herstellungskosten pro Gefährt um 730 Euro, während die Gewinnschwelle stieg: Musste PSA 2013 noch 2,6 Millionen Autos verkaufen, um einen Gewinn zu erzielen, so verdient der Konzern jetzt bereits ab 1,6 Millionen verkauften Fahrzeugen.
Zugleich sanken die Ausgaben für Forschung und Entwicklung - und dementsprechend der Anspruch, bei der Entwicklung alternativer Antriebe vorne mit dabei zu sein. Ein Benzin-Hybridantrieb soll erst 2019 vorgestellt werden, ein neues Elektroauto 2020. Rentabilität geht vor - unter Inkaufnahme der Gefahr, von der Konkurrenz überholt zu werden.
Mit jährlich fast drei Millionen produzierten Autos ist PSA zwar Europas zweitgrößter Autobauer nach Volkswagen, im internationalen Vergleich aber trotzdem relativ klein. Und der neue Schwerpunkt auf China, wo zuletzt ein Viertel aller PSA-Fahrzeuge verkauft wurde, könnte sich angesichts des gebremsten Wirtschaftswachstums als nachteilig erweisen. Hoffnung schaffen neue Märkte wie der Iran; auch der europäische Automobilmarkt, vor allem Frankreich und Italien, zog wieder an. Gearbeitet wird noch an der Segmentierung zwischen den Hauptmarken Peugeot und Citroën, um verschiedene Kundengruppen anzusprechen, ebenso wie an der Senkung der Arbeitskosten auf 11 % des Umsatzes.
Vollendet ist die Sanierung also noch nicht, doch der Autobauer macht bereits wieder Gewinne - nun will er die Rendite steigern. Als Nachfolger des Programms "Back in the Race" stellte Tavares Anfang April den neuen Plan "Push to Pass" vor - nachdem PSA zurück im Rennen ist, lautet die neue Devise: beschleunigen und überholen.
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