Manuel Fritsch

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Fritz Bauer

Remember


Frankreich auf Nazijagd


vendredi 04 mars 2016
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Mit « Fritz Bauer » und « Remember » kommen in Frankreich gleich zwei Filme ins Kino, die die Verfolgung von nationalsozialistischen Tätern zum Thema haben. Die Geschichte der Entführung Eichmanns und die Suche eines Auschwitzüberlebenden nach dem Mörder seiner Familie.



Mit dem Prozess gegen den KZ-Aufseher John Demjanjuk ist ein wenig Bewegung in die Strafverfolgung von noch lebenden NS-Tätern gekommen. Deren gibt es nicht mehr besonders viele, weshalb das Simon-Wiesenthal-Center die Operation Last Chance 2005 auch in Deutschland startete. Die wenigen Täter, die noch am Leben sind, sollen möglichst noch vor Gericht gestellt werden, um die Versäumnisse der Vergangenheit so gut wie möglich zu berichtigen.

Zwei Filme, die Ende März und Anfang April in Frankreich ins Kino kommen, sind diesem Thema gewidmet. Ist ihr fast gleichzeitiges Erscheinen wohl eher Zufall, ergänzen sie sich doch wunderbar. Die deutsche Produktion Fritz Bauer. Un héros allemand (dessen deutscher Titel ungleich besser ist: Der Staat gegen Fritz Bauer) und der Film des armenischen Arthouse-Regisseurs Atom Egoyan Remember behandeln fast das gleiche Thema - in jeweils anderer Zeit.

Nach seiner Rückkehr aus dem Exil war Fritz Bauer in den 1950er und 60er Jahren als Generalstaatsanwalt in Frankfurt am Main mit der Verfolgung von NS-Tätern beschäftigt. Der Frankfurter Auschwitz-Prozess von 1963 ging hauptsächlich auf sein Engagement zurück. Der Film des Regisseurs Lars Kraume spielt aber etwas früher. Erst nach seinem Tod wurde bekannt, dass Fritz Bauer auch für die Ergreifung Adolf Eichmanns durch den Mossad in Argentinien verantwortlich war. Davon handelt der Film. Burghart Klaussner spielt einen überzeugenden Nazijäger aus Leidenschaft, der nach eigenem Bekunden in der Justiz "wie im Exil" lebt. Seinen eigenen Mitarbeitern und Behörden kann Bauer nicht trauen, da sie von alten Nazis durchsetzt sind, die zuverlässig alle Täter von bevorstehenden Festnahmen in Kenntnis setzen und die Arbeit des Generalstaatsanwalts zu der des Sisyphos machen. Zwar ist der Film etwas überladen mit Nebenhandlungen - allen voran nimmt Bauers angebliche Homosexualität übermäßig viel Raum ein - doch gelingt es dem Regisseur Lars Kraume, Fritz Bauer als den intelligenten und humorvollen, um die Jugend bemühten Kämpfer auf einsamem Posten zu zeichnen, der er war.

Da die Liste von passionierten Nazijägern nun aber leider nicht besonders lang ist und die Lust der Justiz, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen, ebenso enge Grenzen kannte, blieben die meisten der Täter bis heute unbehelligt.



Und hier setzt "Remember" an. Zev hat gerade das Kaddisch für seine Frau gesprochen. Allerdings erinnert er sich nicht mehr so gut daran. Nach dem Aufwachen muss der 90-Jährige immer wieder aufs Neue daran erinnert werden, dass sie gestorben ist. Auch an das Versprechen, das er seinem Freund Max gegeben hat, erinnert er sich nicht mehr. Nach dem Tod seiner Frau, so die Abmachung, würde sich Zev aufmachen, denjenigen zu finden, der seine und Max' Familie in Auschwitz ermordet hat. Er ist der einzige, der sich noch an den Mann erinnern kann, der unter falschem Namen irgendwo in den USA lebt - wenn er sich denn erinnern kann. Und so beginnt ein Roadtrip gegen das Vergessen, bei dem der körperlich fitte Zev von seinem an den Rollstuhl gebundenen Freund Max per Telefon und Brief durch die Staaten geschickt wird. Das löchrige Gedächtnis Zevs stellt ihre Mission auf tönerne Füße, macht sie so prekär wie die Verfolgung von Nazitätern immer schon gewesen ist. Der verzweifelte letzte Kampf der zwei Greise um Gerechtigkeit ist eine herrliche und melancholische Persiflage auf die verpasste Gelegenheit, nicht Gerechtigkeit wiederherzustellen, aber doch immerhin einen Schritt in die Richtung zu tun. So überzogen der Film und so absurd die Wendungen der Geschichte auch sind, die Richtigkeit des Unternehmens der beiden Alten wird nie in Frage gestellt, die Grenzen zwischen Opfer und Täter bleiben klar.

Die Einsamkeit der beiden greisen Cowboys, die auf keine Hilfe bauen können und das Recht folglich in die eigene Hand nehmen müssen, schlägt einen Bogen zurück zu Fritz Bauer. Beide sind sie allein bei ihrem Versuch, ein kleines Stück Gerechtigkeit zu erstreiten.

Remember läuft ab dem 23.03,
Fritz Bauer ab dem 13.04 in Frankreich.

Fotos: ARP Sélection (Ausschnitte)
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