Deutsch-Französische Jugendpolitik: Mehr Vielfalt als Einfalt


jeudi 11 mai 2017
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Anlässlich des Wahljahres hat das Deutsch-französische Jugendwerk (DFJW) in Paris im April 20 junge Deutsche und Franzosen dazu eingeladen, einmal selbst in die Rolle von Ministern und Präsidenten zu schlüpfen und so den Prozess politischer Entscheidungsfindung zu erleben.


© Louis Fabriès

"Vor einigen Jahrzehnten wurden Konflikte noch auf dem Schlachtfeld ausgetragen, heute gibt es dafür Konferenzen", sagte der Deutsche Botschafter Nikolas Meyer-Landrut während der Podiumsdiskussion zum Abschluss des Simulationsspiels Deutsch-Französischer Ministerrat, das im April in Paris stattgefunden hat.

Mit viel Begeisterung und dem Willen etwas zu verändern, haben sich die 20 Teilnehmer in ihre Arbeitsgruppen gestürzt und vier Tage lang an gemeinsamen Entwürfen und Beschlussvorlagen gearbeitet. Ziel der vom DFJW mit seinen Partnern organisierten Veranstaltung war es, junge Menschen für Themen wie Klima und Energie, Migration und Flüchtlinge sowie Arbeit und Mobilität zu sensibilisieren und ihnen die Herausforderungen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zu verdeutlichen. 

Überraschend schnell haben sich die Jugendlichen in ihre Politiker-Persönlichkeiten eingefunden. "Auch wenn man vielleicht nicht der gleichen Meinung ist, lernt man schnell seine neue Rolle anzunehmen", so der Teilnehmer Robert Scheffler über seine Rolle als deutscher Bundesinnenminister. Der Weg zur Einigung ist oft lang und die Interessensschwerpunkte Deutschlands und Frankreichs sehr unterschiedlich. So wurde viel gestritten und heftig diskutiert, vor allem über die Themen Nuklearenergie und Kohle.  

Zwischen Kompromissen und Ergebnissen 

Am Ende konnte natürlich nicht alles durchgesetzt werden. "Manchmal musste man auch Kompromisse eingehen, die man am Anfang gar nicht erst in Erwägung gezogen hat", berichtet der Teilnehmer Assim Etahiri.

Die Beschlüsse sind zwar fiktiv, aber realistisch. So entschied die Arbeitsgruppe Energie, zukünftig fossile und nukleare Energie zu besteuern. Die Arbeitsgruppe für Migration und Flüchtlinge beschloss, Länder, die die Flüchtlingsquote nicht einhalten, zu sanktionieren und 200 000 Euro Strafe pro Flüchtling zu fordern. Einig war man sich auch in der Frage nach einer gemeinsamen europäischen Flüchtlingspolitik. 

Dadurch lernten die Jugendlichen, die Grenzen der Verhandlungsmöglichkeiten zu testen. Es ging nicht nur darum, finanzielle Hürden, sondern auch Meinungsverschiedenheiten im eigenen Kabinett und Interessenskonflikte zwischen den beiden Ländern zu überwinden. "Ich habe zum ersten Mal verstanden, wieso man bei Debatten im Fernsehen, nur so selten konkrete Ergebnisse präsentiert bekommt", stellt Tobias Schweitzer fest, der in die Rolle der deutschen Kanzlerin geschlüpft war. 

Während der Debatten und vor allem auf der Suche nach Lösungsansätzen gab es immer wieder interkulturelle Unterschiede. "Deutsche und Franzosen haben sehr unterschiedliche Ansätze, wenn es um konkrete Maßnahmen geht. Da ist es nicht immer einfach auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen", findet Marie Kösters als Ministerin für Wirtschaft und Energie. Für die Teilnehmer waren die Unterschiede aber viel mehr eine willkommene Herausforderung, als ein echtes Problem. 

Kein Platz für Extremismus

Viele der Teilnehmer engagieren sich bereits privat in politischen Organisationen oder Parteien. Ein Kriterium für die Teilnahme am Simulationsspiel waren politisches Engagement und Fremdsprachenkenntnisse jedoch nicht. "Wir haben versucht, Teilnehmer aus verschiedenen Milieus auszuwählen. Studenten, Azubis, Arbeitssuchende", erklärt Lenssen. Für diejenigen, die die Sprache des Nachbarlandes nicht verstehen, gab es eine Übersetzung. 

Das Konzept schien aufzugehen. Trotz Divergenzen war die Stimmung unter den Teilnehmern entspannt, eine Vertrauensbasis hatte sich etabliert. Das Simulationsspiel zeigt: dort wo junge Menschen aus verschiedenen Ländern friedlich aufeinandertreffen, ist kein Platz für Extremismus.

Trotzdem waren bei der abendlichen Podiumsdiskussion auch Les Jeunes avec Marine dabei. Vor dem Hintergrund, dass es die Rechtsextremen in Frankreich in die zweite Runde der Präsidentschaftswahl geschafft hätten, sei es wichtig, sich mit der Realität befassen, findet Lennsen. Es gehe nicht darum Populismus eine Bühne zu bieten, sondern darum Werte zu entkräften, die man nicht vertreten könne.

Angesichts der Wahlergebnisse in Frankreich, war das sicherlich keine falsche Entscheidung. Demokratie bedeutet schließlich, man darf kritisieren und verschiedene Meinungen haben, aber Demokratie bedeutet auch, dass sich das politische Konstrukt dahinter nicht so einfach zerstören lässt.

Das Simulationsspiel wurde vom DFJW in Zusammenarbeit mit seinen Partnern Peuple et Culture, Atout Diversité und Xhoch3 organisiert. 
 
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