Interview : Lara Prolingheuer

Zeig mir ein Europa, das begeistert!


mardi 23 mai 2017
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"Dessine moi une Europe qui donne envie" heißt das im Mai erschienene Buch von Axel Rückert. Der erfolgreiche Unternehmer wurde 1946 in Berlin geboren und fing schon früh an, sich für Frankreich und Europa zu begeistern.


Axel Rücker © privat
Axel Rückert ist nicht nur ein gestandener Europäer, sondern auch ein Euroskeptiker - mit konkreten Vorschlägen für ein bürgernahes Europa. Mit praktischen und innovativen Ideen bringt Rückert seine Leser in seinem neuen Buch "Dessine moi une Europe qui donne envie" zum Nachdenken.

Seine Begeisterung für Frankreich und Europa entdeckt der erfolgreiche Unternehmer bereits als Schüler des deutsch-französischen Gymnasiums in Berlin. Bei einem Schüleraustausch macht er die Bekanntschaft von Mitterands Berater und dem ehemaligem Außenminister Hubert Védrine und begleitete letzteren bei Wahlkampfveranstaltungen in Frankreich. Nach seinem Studium der Politikwissenschaft, wendet er sich der Wirtschaft zu und arbeitet unter anderem für das Beratungsunternehmen McKinsey in Paris.

In Frankreich vor allem bekannt als Unternehmensretter, konnte Rückert mit seinem Unternehmen "Management Partenaires" zahlreiche Firmen vor dem Absturz bewahren. Nach vielen Jahren an der Spitze von Konzernen in ganz Europa, engagiert sich der 71-Jährige heute als "Business Angel" in verschiedenen Startups und gibt sein Know-How so an die nächste Generation weiter. 

Dank seiner langjährigen Erfahrung in Politik und Wirtschaft hat Rückert einen erstaunlich realistischen Blick auf Europa. Pläne über Europas Zukunft zu schmieden ist kein Neuland für den engagierten Unternehmer mit Kontakten zur französischen Elite. Wer Unternehmen aus der Krise führen kann, schafft das vielleicht auch mit Europa.

Für ein bürgernahes Europa

Auslöser für sein Buch waren vor allem die Wahl von Trump in den USA und der Brexit, sagt Rückert. Viele der Mitgliedstaaten Europas ziehen sich immer mehr aus der Gemeinschaft zurück. "Europaskeptiker sind heute immer noch für Europa, aber für ein Europa, das Ihren Bedürfnissen entspricht", findet er. Für die neue Generation habe Europa eine völlig andere Bedeutung. Frieden sei längst Alltag geworden und es sei wichtig, dass Europa sich an die neue Zeit anpasse und sich in einer anderen Form neu erfindet.
 
Dessine moi, habe er in Anlehnung an Saint Exupéry gewählt, erklärt Rückert. Das konkrete Empfinden sei wichtiger, als das technische Funktionieren. Wenn man Europa wieder aufleben lassen wolle, müsse man zu einer zu stärkerer Einbindung der Bürger zurückgehen, anstatt Entscheidungen von Technokraten in Brüssel treffen zu lassen, die zum Teil keine demokratische Legitimation hätten. Ein Europa der Finanzen reiche nicht aus, denn die aktuellen Strukturen seien viel zu komplex und undemokratisch.

Gleiche Rechte für alle Mitgliedstaaten

Um das zu verändern macht Rückert in seinem Buch ganz konkrete Vorschläge: "Was wir brauchen, ist ein einziger Präsident, der durch die Bürger aller Länder Europas gewählt wird, und Minister, die aus den nationalen Regierungen kommen - keine 28 Kommissare. Wir brauchen nützliche Projekte statt komplizierte Institutionen."

Seiner Meinung nach sollte jeder Staat dazu verpflichtet sein, Jugendliche bis zu ihrem 18. Lebensjahr in der Ausbildung zu unterstützen. Außerdem schlägt er vor, einen verpflichtenden Auslandsaufenthalt für junge Leute einzuführen, um den europäischen Gedanken greifbarer zu machen.

"Wenn Europa in einer multipolaren Welt zählen will, dann schaffen das die Mitgliedstaaten nur zusammen", mahnt Rückert. Ein Nord-Süd-Gefälle, wie es sich manche für den Euro wünschen, sei dabei nur hinderlich und treibe die Spaltung der Union nur noch schneller voran.

"Ich bin davon überzeugt, dass eine Veränderung nicht nur notwendig, sondern auch möglich ist.  Das mag zwar utopisch erscheinen, aber so war es mit der Berliner Mauer damals auch", sagt der gebürtige Berliner lachend. "Niemand hat ernsthaft an den Mauerfall geglaubt und am Ende fiel sie doch."

Im September erscheint das Buch unter dem Titel "Courage, zeig mir ein Europa, das begeistert!" auch in Deutschland (Dietz Verlag, Bonn). Weitere Informationen zu Axel Rückert und seinen Büchern gibt es hier .
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