- Kultur / Gesellschaft

Im Land der Oliven


jeudi 18 aot 2016
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Olivenbäume sind am Mittelmeer weitverbreitet. Das Klima mit ganzjährig viel Sonnenschein bietet optimale Bedingungen. Das Unternehmen Barnier Olives hat sich dies zunutze gemacht und ist längst international bekannt. Dennoch spürt es die Auswirkungen der Wirtschaftskrise.


©WineCountry Media
















Mit Oliven ist es ein bisschen wie mit Exzentrikern - man mag sie oder man mag sie nicht. Ein Dazwischen gibt es selten. "Wenn Sie Oliven nicht mögen", sagt Hubertine van Kessel, Direktorin des südfranzösischen Olivenproduzenten Barnier Olives, "dann liegt das nur daran, dass Sie es immer mit den falschen probiert haben". Man könnte meinen, sie spreche von ihren Erfahrungen mit Männern, doch sie meint tatsächlich Oliven. Die 63-Jährige leitet das Unternehmen seit dessen Gründung im Jahr 1991. Unscheinbar liegt die Firma im Industriegebiet am Rande des kleinen Küstenstädtchens Frontignan, nur gut 20 Autominuten von Montpellier entfernt. Anders als sein internationaler Ruf es vermuten lässt muss man das Unternehmen suchen, um es zu finden. Oder der Nase folgen. 


"Die beste Olive kommt aus Südfrankreich"


Überzeugend wirkt die freundliche und bestimmte Niederländerin, die im Alter von 27 Jahren nach Frankreich kam, wenn sie von den Vorzügen der regionalen Olive schwärmt. Die besten Olivensorten kämen, so die Managerin, natürlich aus der südfranzösischen Region Languedoc-Roussillon. Die Sorte Lucques ist neben der Picholine der ganze Stolz der Firma. In der Regel werden die Oliven, die das Unternehmen verarbeitet, aus Marokko oder anderen Mittelmeerländern wie Spanien oder Griechenland importiert, während die heimische Olive im September geerntet und in den Wintermonaten zu beliebten Olivenmischungen oder Tapenade verarbeitet wird. Da Oliven nicht vom Baum gegessen werden können, muss die Frucht zunächst einen chemischen Prozess durchlaufen, in dem ihr die natürliche Bitterkeit entzogen wird. Im Anschluss daran werden in einem aufwendigen Verfahren die Kerne entfernt und nach 50 verschiedenen Rezepten Gewürze hinzugefügt.


Die Direktorin des Unternehmens "Barnier Olives", Hubertine Van Kessel.
©Stefanie Eisenreich 




Nicht nur der französische Gaumen freut sich über die Cocktailoliven des Unternehmens, das seine Produkte unter dem Namen "Menguy's" vertreibt.
Das Tochterunternehmen der Finanzgesellschaft Soficor exportiert nicht nur europaweit in Länder wie Belgien, Deutschland oder Island, sondern auch nach Asien, Neuseeland, Kanada oder die USA. 38 % des Gewinns werden im Export erwirtschaftet, was im vergangenen Jahr eine Summe von 2,7 Millionen Euro ausmachte. Das Unternehmen, mit seiner einzigen Produktionsstätte in Frontignan, bleibt bescheiden, trotz des mittlerweile weltweiten Exportgeschäfts. Der Gesamtgewinn beläuft sich auf 7,38 Millionen Euro, 27 Angestellte arbeiten in der Olivenwerkstatt. 

Im Zeichen der Krise


Doch seit 2008 spürt das Unternehmen die Schwierigkeiten der Wirtschaftskrise.
"Das liegt daran", so die Managerin, "dass Oliven als typisches Partyprodukt
natürlich nicht unverzichtbar sind. Bestellungen sind zurückgegangen, weshalb
in den letzten Jahren auch weniger produziert wurde". Daher habe man zwischen 2008 und 2014 im Export 6 % Verlust gemacht. Erst im vergangenen Jahr habe sich die Produktion langsam wieder gesteigert. Hubertine van Kessel gelangte eher durch Zufall an die Spitze des Unternehmens, das zuvor seit 1936 den Namen Confiserie du Littoral trug, und baute es zu Barnier Olives um. 


 Der Liebe wegen blieb die dynamische Powerfrau nach einer Reise in den Süden Frankreichs in der Region, bekam drei Kinder und begann sich im Unternehmen ihres Mannes zu engagieren, welcher sich ebenfalls der Olive verschrieben hatte. Ohne Vorkenntnisse fing die Autodidaktin an, in ihr Heimatland zu exportieren, und gründete schließlich nach einem Treff en mit der Finanzgesellschaft Soficor das Unternehmen Barnier Olives. Mit Einfallsreichtum und Ehrgeiz führte Hubertine
van Kessel als Direktorin von Barnier Olives ihr Unternehmen zum internationalen Erfolg. Und dies nicht zuletzt dank der weltweit bekannten lokalen Olivenart, die in anderen Regionen nicht anzutreffen ist. Aus diesem Grund importieren auch
Länder wie Brasilien, deren Einfuhren teuren Zollgebühren unterworfen sind und die selbst zu den Produktionsländern zählen, die Olivenmischungen des französischen Herstellers.

Olivenkennerin Hubertine van Kessel war anfangs kein Fan dieser Baumfrucht und gesteht, dass sie wählerisch bleibe. "Oliven haben eigentlich keinen bitteren, herben Geschmack. Eine gute Olive ist ein bisschen salzig und natürlich in der Mischung gut gewürzt." Vorsicht aber sei geboten, verrät sie, wenn "sich in einer Olive eine Bakterie entwickelt, die für den typischen Olivengeruch sorgt." Oft entsteht dieser bei Problemen im Prozess, bei welchem der Frucht die Bitterkeit entzogen wird. Dann
"ist die Olive schlecht. Eine gute Olive aber essen Sie und haben gleich darauf
Lust auf eine zweite." Ein bisschen Exzentrik muss also sein, auch bei Oliven.






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